F o t o a l b u m
SCHWEDEN 01.09.2008 - 17.09.2008
Es ist soweit, endlich. Nach relativ umfangreichen Vorbereitungen und diversen
Einkaufsorgien in den letzten Wochen und Monaten brechen wir Ende August mitten
in der Nacht Richtung Schweden auf. Ziel Nummer 1 ist vorerst der Fährhafen in
Rostock, von dort geht es dann am 1 September 8 Uhr früh mit der Fähre weiter
Richtung Trelleborg.
Mit dem bis unter das Dach vollgepackten Disco fahren wir über Prag, Dresden
und Berlin immer Richtung Norden. Nach etwa 16 Std. Fahrt (inkl. Schlafpause)
treffen wir am späten Nachmittag relativ abgekämpft in Rostock ein. Nach der
Pflicht (schnelles Abendessen und Bier ;) ) folgt die Kür. Unser neues Dachzelt
feiert am Transitplatz für Durchreisende einer riesengroßen (und
dementsprechend für uns befremdlich anmutenden) Campingplatzanlage Premiere.
Ebenfalls neu ist, das wir diesmal völlig alleine unterwegs sind, jedoch (auch
erstmals) den Hund mit dabei haben.
Der Plan auch den Hund über die Leiter ins Dachzelt raufzuheben, scheitert erst
mal kläglich und so muss er bis auf weiteres nächtens im Auto auf eine
zündende Idee seiner Besitzer warten (diese hat dann Belinda 3 Tage später
-> eine mit den Aluboxen gebaute Treppe ist der Schlüssel zum Erfolg).
Nach einer kurzen Nacht und weiteren 7 Std. im Bauch der Fähre von TT Lines
betreten wir Montag um 14h erstmals schwedischen Boden. Der Anblick von
Sandstränden und Palmen lässt uns kräftig an den Navigationskünsten des
Kapitäns zweifeln ... unsere GPS-Geräte sind jedoch beide der Meinung das
alles seine Richtigkeit hat. Sehr fein, es kann also losgehen...
Die ursprüngliche Idee, 3 gemütliche Wochen in Mittelschweden zu verbringen,
wich bei uns vor längerem einem neuen, einem "höheren" Ziel ->
Lappland bzw. der Polarkreis soll es sein. Worte, die uns längst magisch in
ihren Bann ziehen und die Phantasie beflügeln.
So geht es vom südlichsten Punkt Schwedens eine Woche lang gemütlich aber mit
einem klaren Ziel vor Augen immer Richtung Norden. Endlos lange Landstrassen
werden im typisch schwedisch-gemütlichen Bummeltempo (~90 km/h) zurückgelegt,
die Landschaft dabei ausgiebig genossen und bestaunt und landestypische
Verhaltensmuster wie z.B. das regelrechte Zelebrieren von Pausen begeistert
übernommen.
Das Verkehrsaufkommen in der Nachsaison ist in etwa mit dem des tiefsten Waldviertels
zu vergleichen, allerdings ist in Schweden die Bevölkerungsdichte nicht so
hoch. ;-) Undurchdringlich dichte Wälder und Seen säumen die Strassen und
wechseln einander ab ... wir sind begeistert.
Kehrseite der Medaille ist allerdings der Mangel an "schnell mal eben
ausfindig gemachten" schönen Stellen zum Wildcampen entlang der Strassen,
wie es z.B. in Rumänien der Fall ist. Hier muss man diese schon äußerst
zeitintensiv suchen, will man nicht in diversen Parkbuchten 5m neben der Strasse
enden.
Zeit ist rar wenn man weit kommen will. So machen wir aus der Not halt eine
Tugend und nutzen einfach großteils das dichte Netz an schönen
Campingplätzen. Ungewohnt üppige Ausstattung und der hohe Standard kommen uns
v.a. bei täglichem Standortwechsel sehr entgegen. Stichworte sind z.B.
Geschirrspüler, Trockenräume, Warmwasser... alles gratis nutzbar. Ideal wenn
man Abends ankommt und am nächsten Tag in der Früh wieder weiter will, die
Kosten sind mit rund 10€ mehr als fair.
So kommt es das wir Freitag den 5ten Sept. den untersten Teil Lapplands
erreichen, das ca. 25% der Gesamtfläche Schwedens ausmacht. Die dichten,
dunklen (Ur) Wälder Mittelschwedens weichen nun einer gänzlich anderen
Landschaft, dem bereits kräftig im herbstlichen Farben erstrahlendem Fjäll.
Keine 2 Stunden später zieht auch wie auf Bestellung des schwedischen
Tourismusbüros bereits die erste kleine Herde Rentiere vorbei. Erstmal
Sprachlosigkeit unsererseits, wir kommen uns wie in einem kitschigen Film vor
und mit dem Fotografieren kaum nach. Stellt man bei Pausen den Motor ab,
herrscht eine beinahe unwirkliche Stille ... beinahe völlige Einsamkeit
inklusive.
Samstag, 16h : nach fast exakt einer Woche "on the road"
überschreiten wir den Polarkreis, das ist zugegeben emotional großes Kino wenn
man, wie wir, schon so oft mit dem Finger auf der Landkarte die Strecke der E45
"abgefahren" ist. und nun selbst vor den zahlreichen Infotafeln steht.
Das Polarcafe ist bereits geschlossen, touristisch herrscht besonders im Norden
Schwedens bis zu dem traditionellen Lappenfest Anfangs Februar absoluter
Stillstand.
Wir nützen die so entspannte Situation, um uns 2 Tage in einer gemütlichen
Stuga einzuquartieren, erst mal neu zu sortieren und zu sammeln, Wäsche zu
waschen, durchzuwärmen ... einfach nur abschalten.
Das gelingt in einer Kommune (politischer Bezirk) wie Jokkmokk besonders gut,
auf einer Fläche so groß wie die halbe Schweiz "drängen" sich ~7000
Einwohner, 4000 davon sind in der gleichnamigen Hauptstadt der Samen
daheim.
Jokkmokk ist damit allerdings nicht mal die größte Kommune Schwedens und
selbst nur ein Teil Lapplands das wiederum nur ein Viertel Schwedens ausmacht
... ich denke besser kann man als Österreicher die Dimension dieses Landes
nicht beschreiben. Schweden ist also ziemlich groß. Zur weiteren Untermauerung
dieser Theorie sei noch erwähnt, das eine andere Kommune in Lappland alleine z.B.
mehr als 8000 (!!) Seen besitzt.
In Woche 2 ziehen wir zur Fjällstation des Stora Sjöfallet weiter, einem der 4
Nationalparks die das Weltkulturerbe Laponia bilden. Angeblich Europas letzte
Wildnis. Glauben wir gerne, der Sarek Nationalpark im Zentrum Laponias ist
selbst bei den sicher nicht übermäßig an Zivilisation gewöhnten
Einheimischen eine Legende.
Auf dem Display unseres GPS ist jetzt N67°... abzulesen, die Gipfel der Berge
an der Grenze zu Norwegen sind bereits angezuckert und der Landy in der Früh
mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Selbst unser bekanntlich recht
kälteunempfindlicher Labrador friert nach dem Schwimmen im See. Nur mehr 800km
weiter nördlich ist das Nordkap, wir widerstehen allerdings tapfer.
Tagsüber strahlt jedoch die Sonne mit uns um die Wette, das Wasser der Seen ist
kristallklar und kann bedenkenlos getrunken werden, Elchspuren wohin man auch
schaut, einmal hören wir Wölfe heulen und der Hund bekommt das bereits in
Mittelschweden erstandene Bärenglöckchen (dinner bell) verpasst. Sicher ist
sicher (besonders wenn man alleine reist), die Grenzen zwischen Wildnis und dem
Campingplatz im Nationalpark sind rein virtuell ...
Von hier wieder aufzubrechen wird zum mentalen Kraftakt, aber einmal muss es
dann ja sein. Beinahe 2000km trennen uns derzeit vom Fährhafen in Trelleborg,
Zeitreserven müssen (sollten) eingeplant werden, ein Ticket für die Rückfahrt
haben wir auch noch nicht.
So geht es dann nach einem Besuch der Storforsen Stromschnellen (wirklich groß,
wirklich schnell) zunächst Richtung Osten, wir fahren die E4 am oberen Ende des
Bottnischen Meers entlang, nehmen dann allerdings aufgrund sich einschleichender
Langeweile recht bald wieder eine mittige Position ein. Diesem Entschluss
verdanken wir dann auch die einzige Elchsichtung auf ~4800 km Fahrt in
Schweden.
Eine Elchkuh hat Mitleid mit uns und zeigt sich für ca. 30 Sekunden an einer
Waldlichtung :-))
Obwohl alleine pro Jagdsaison (Sep-Okt) in Schweden an die 150000 Elche erlegt
werden (und es also vermutlich viele Tiere gibt), ist eine zufällige Begegnung
mit diesen schüchternen Riesen eher die Ausnahme. Die Elchwarnschilder hingegen
sind allgegenwärtig, u.a. auch mitten im Ortsgebiet. :-)
Ein in den kommenden Tagen geplanter längerer Aufenthalt im laut Reiseführer
mystisch schönen Värmland fällt einer (vielleicht falschen) Streckenwahl zu
weit westlich zum Opfer. Abgesehen vom anfangs noch wirklich tollen und einsamem
Grenzgebiet zu Norwegen werden wir geradezu durchgespült und enden mitten in
der Nacht recht ratlos und ko nach nur einem Tag Fahrt auf einem Parkplatz der
Fastfoodkette mit dem runden M am südlichen Ende der Provinz.
Hintergrund: am frühen Nachmittag vertreibt uns die dort zufällig beim
Holzsammeln entdeckte frische Hinterlassenschaft eines Bärenjungen direkt vom
auserwählten, diesmal "wilden" Schlafplatz am Flussufer. Auf der
weiteren Strecke von fast 350km konnten wir keinen auch nur ansatzweise
entsprechenden Ersatz entlang der Strasse ausfindig machen.
So fassen wir nach kurzer und unbequemer Nacht im Auto am Parkplatz den Entschluss,
unser unfreiwillig zusätzlich entstandenes Zeitpolster der Erholung von Mensch,
Hund und Fahrzeug an den Stränden Südschwedens zukommen zu lassen.
Genau 2 Wochen nach unserer Ankunft in Schweden landen wir nach 4800 km wieder
am Startpunkt unserer Tour in Trelleborg, Tickets werden organisiert und eine
Stuga auf einem Campingplatz bezogen, der direkt vor den Dünen eines
kilometerlangen Sandstrands liegt.
Mittwoch, 17ter September geht es früh morgens nach 2 Tagen Extremrelaxings bei
Sonne, Sand & Meer mit schwer depressivem Hund im Gepäck (der Sandstrand
hat es ihm zu sehr angetan) zur Fähre und nach einer nun folgenden 24stündigen
(inkl. Fähre) Gewalttour durch Deutschland und Tschechien erreichen wir
Donnerstag 5h früh bereits mehr schlafend als wach wieder unsere Wohnung in
Wien.
Hinter uns liegen in Summe 6600 völlig defektfreie km Fahrt in einem 14 Jahre
alten Auto, ca. 600l verfahrener Sprit und Reiseeindrücke, die uns unser
weiteres Leben lang begleiten werden. :-)
Vielen Dank an dieser Stelle auch an Michi und Gregor für die perfekte Hilfe
bei der Vorbereitung!
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Richard Zajic, 10/2008