F o t o a l b u m


Rubicon 2003

You don't need to be crazy to do the Rubicon - but it sure helps! 

Warum ein bißchen verrückt sein hilft? Zuerst ein stundenlanger Flug in die USA, dann die Anreise nach Nord-Californien, Desolation Wilderness, 2.000m Seehöhe. Dort fahren wir mit einem knapp 26 Jahre alten Toyota BJ40 28km am Rubicon Trail. Fahrzeit: 3½ Tage zu je 8 - 9 Stunden, Durchschnittsgeschwindigkeit: 1 km/h. 
Begleitet wurden wir von einem weiteren Toyota, Bj. 1966!!!, einem Jeep CJ aus dem Jahre 1986 und dem ganz neuen Jeep TJ 1999, 6 amerikanischen Mitstreitern und Harold, dem Wegweiser und Lehrer. 
Warum aber waren wir so extrem langsam? Es waren keine Steine, die uns den Weg in dieser felsigen Landschaft versperrten, auch nichts was den Namen Felsbrocken verdient hätte, es waren richtige große Felsen, die es zu überwinden oder umfahren galt. Gelegentlich waren diese Felsen auch im schlammigen Wasser, wo der Weg mittendurch führte, da dies immer noch, nach Abwägung aller Möglichkeiten, die einfachste Route war. 
Die Autos waren mit einer 80:1 Übersetzung ausgestattet (selbst die besten Geländewagen haben normalerweise nur 40:1), große Reifen und modifiziertes Fahrwerk erleichterten das Kraxeln. Die Fahrzeuge waren wirklich für den Rubicon adaptiert, "unwichtige" Dinge fehlten, kein Blinker, die Scheinwerfer funktionierten bei uns nicht und die Scheibenwischer waren nicht einmal ansatzweise vorhanden - was beim einsetzenden Hagel und Regen unpraktisch war, genauso wie die fehlenden Fenster und Türen, vor allem als zum Regen ein starker Seitenwind kam. Vorteil: Wenn es links rein regnet, zieht es rechts wieder raus. 
Lustig gestaltete sich das Zelt auf- und abbauen: Locker hechteten wir den Zeltplanen hinterher. Schnell verschlangen wir die von Harold gegrillten Steaks, um danach hinter einem großen Baum Schutz vor dem Wind zu suchen. 
Aber wer den Rubicon in Angriff nimmt, weiß was ihn erwartet. Nach jedem Regen kommt wieder Sonne und so sah die Welt am zweiten Tag wieder besser und zunehmend wärmer aus. 
Ganz genau platzierten wir jeden Reifen auf oder neben die Felsen, stellten die verfügbare Bodenfreiheit der Höhe der zu überwindenden Gesteinsbrocken gegenüber, wobei die tiefhängenden Positionen der Differentiale unbedingt beachtet werden mussten und suchten so den besten Weg zum Durchkommen. Nachdem uns Harold die Zusammenhänge der verschiedener Kräfte, des Untergrundes und der Traktion mit Hilfe von Zeichnungen erklärte, schlussfolgerten wir den besten Einsatz der Sperren (oder auch nicht). Die vorderen und hinteren Sperren in seinen Autos waren unabhängig voneinander zuschaltbar, und im Praxistest war die unterschiedliche Reaktion der Fahrzeuge deutlich an diesen und vor allem an Harold's Mimik erkennbar. 
Mehrere Stellen waren mit so hohen Stufen versehen, dass wir nicht so einfach darüber kommen konnten. Also übernahmen wir kurzfristig den Job von Fred Feuerstein - Steinbrocken verschieben. Harold war jedes mal auf´s Neue erfreut, wenn wir die Brocken in die Lacken fallen ließen und sein Shirt braune Pünktchen vom nicht gerade sauberen Wasser bekam. 
Es gibt zwar eine Offroader Meinung, die besagt, dass jedes Gelände so gefahren werden muss, wie es sich darstellt, ohne Adaptionen. Doch unsere Meinung war, wenn die Wahrscheinlichkeit umzustürzen oder aufzusitzen sich der 100% Marke nähert, ist es sinnvoller ein paar große Steine in zu tiefe Löcher zu rollen, als 20 Meilen von jeglichen menschlichen Leben und sicherlich 100 Meilen von Ersatzteilen entfernt, sein Auto zu ruinieren. 
In diesen Tagen wurde die Teamarbeit zwischen uns kurz zuvor noch wildfremden Leuten perfektioniert. Unterschiedliche Motive waren für die Teilnahme der Offroader verantwortlich. Janna, die Hubschrauberpilotin und Lehrerin für das Fahren von Einsatzfahrzeugen beim Police Department von San Jose erwies sich als tolle Einweiserin bei besonders schwierigen Stellen. Für Sie war es eine Zusatzausbildung. Die Freunde Mike und Bob waren aber stets von ihrem nicht ganz natürlich gewachsenen Busen abgelenkt, was dazu führte, dass sie nicht immer die beste Linie wählten. 
Eine Familie, die sich aus 3 Generationen zusammensetze, war auch mit dabei. "Grandma", eine Krankenschwester wollte eigentlich nicht auf den Trip, Camping war nicht ihre Sache und Auto fahren auch nicht unbedingt, aber sie sah darin endlich die Chance ein paar Tage mir ihrer Tochter "Mum", hauptberuflich geschiedene Anwaltsgattin und Enkerl "John Boy", angehender Feuerwehrmann, zu verbringen, ohne dass diese mit einer Ausrede wieder flüchten könnten. 
Harold, Besitzer der Fahrzeuge, wies uns den Weg. Sein Ziel war es, uns ohne Schäden am Fahrzeug (no na) über den Trail zu bringen. Unzählige Teile von Differentialen, gebrochenen Achsen und Ölspuren am Wegesrand zeugten von dem hoch gesteckten Ziel. Abgesehen von einer kleineren Reparatur am Hauptbremszylinder am BJ 40 Bj. 1966, die Bob und Mike am abendlichen Lagerfeuer erledigten, gelang uns das ganz gut. Kleine Dellen und Kratzer fallen nicht unter "Schäden". Langsames Fahren und eine klug gewählte Linie mit ein paar Tips und Kopfschüttlern von Harold waren das Erfolgsrezept. Wir sind aufgestiegen in die Riege der "Rubicon Killers", diesen Trail fährt man nicht einfach, man muß ihn killen. 
Noch ein Hinweis zum Abschluss: Ein paar Tage in den Bergen der Sierra Nevada, fernab der Zivilisation klingt gesund und erholsam. Tatsache ist, dass man als letzter in dem 4er Gespann die Abgase und das übergelaufene Benzin von 3 Autos einatmet. Und eins ist sicher, diese Abgase entsprechen keiner Abgasnorm! Um an ein wenig mehr Sauerstoff zu kommen, setzen wir uns an die Spitze des Konvois. Der Wind drehte und kam von hinten... 
Und falls Euch einmal auf dem Rubicon ein herrenloser Schlafsack unterkommt: Der ist von unserem Off-Roader gesprungen! 
Findet Ihr uns nun verrückt? Möglicherweise sind wir es, aber wer ist schon normal? 

Weiter Infos unter www.rubicon-trail.com

Text/Fotos: Peter Hager/LROA, 2003 

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